Herzlich Willkommen

 

Ewald Förschler

Neues Jahr, neue Losung

Gedanken von Pfarrer Ewald Förschler

  Suche den Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

 Gedanken von Pfarrer Ewald Förschler zur Jahreslosung 2019

Was ist Frieden? Jede andere Frage ist leichter zu beantworten als diese. Na ja. Nicht ganz. Es gibt schon noch andere schwierige Fragen z.B. Warum gibt es das Leid auf dieser Welt? Aber die Frage, was Friede sei, gehört zu den schwersten Fragen, die man stellen kann.

Friede ist das Wort, das in allen Sprachen dieser Welt vorkommt. Im Englischen heißt es peace, im Französischen paix, im Lateinischen pax, im Italienischen pace, im Russischen Mir, im Hebräischen Schalom. Der Friede ist der große Traum der Menschheit und man fragt sich zurecht: Warum zieht sie dann immer wieder in den Krieg?

Papst Johannes Paul II hat mal behauptet, mit der Loslösung vom Christentum verliere Europa seine Seele. Wenn die Seele etwas mit Friede zu tun hat und das hat sie, denn man spricht auch vom Seelenfrieden, dann ist das nicht nur individuell gemeint. Dann betrifft der Friede alles, was eine Seele hat: jeden einzelnen Menschen, ein Volk, einen Kontinent und alles, was atmet. Ganz zuletzt erst heißt es dann: „Ruhe in Frieden!“ Krieg ist das Gegenstück zum Frieden. Was bedeutet dann Krieg? Krieg heißt Waffen, Rüstung, Aufrüstung, stärker sein wollen als der andere, den anderen bekriegen, ihn demütigen, gefangen nehmen.

Letztlich ist Krieg immer Grenzverletzung, Zerstören dessen, was dem anderen gehört, ja noch schlimmer: Zerstören seiner Würde und seines Lebens. Krieg ist der Lebensfeind schlechthin. Krieg braucht immer Mittel, damit er geführt werden kann. Die immensen Kosten für Rüstung, die weltweit aufgewendet werden, übersteigen bei weitem die Ausgaben für Gesundheit und Soziales. Geld, das dringend gebraucht wird für Kindergärten, Schulen, Instandsetzung von Straßen, öffentlichen Gebäuden, Spielplätze, Schwimmbäder, Absenkung von Steuern – man mag sich vorstellen, was mit den über 4000 Millionen Euro, die unser Land jedes Jahr fürs Militär ausgibt, zusätzlich fürs Gemeinwohl getan werden könnte!

Im Hebräischen heißt Friede Schalom. Damit ist mehr gemeint als nur die Abwesenheit von Krieg. Schalom beschreibt einen Zustand des Gut-Seins, des Behütet Seins, des Wohlbefindens in der eigenen Haut, auch so etwas wie gute Stimmung, Bewahrt Sein. Wer im Schalom lebt, ist glücklich und Zu-Frieden. Nein – damit ist nicht das Schlaraffenland gemeint. Es ist das Paradies gemeint, bevor die Verführung kam. Und Paradies meint: alles ist gut, alle sind gut zu einander, Gott ist die Mitte. Er ist der Garant des Schalom. Abwendung von ihm ist Abrutschen in Selbstbehauptung und die endet meist in Krieg, auch in Kleinkrieg, Streitigkeiten, die sich immer mehr hochschaukeln. Wer das Gegenteil von Frieden kennenlernen will, dem sei die Lektüre des Buches von Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklich sein“ empfohlen.

Aber es geht ja um den Frieden in diesem Jahr. Suche den Frieden und jage ihm nach! Als hätte er´s gewusst, ist just gegen Ende des letzten Jahres ein neuer Song von Udo Lindenberg rausgekommen. Er macht den Frieden zum Thema. Der Refrain ist eine Aufforderung an uns alle: Komm, wir ziehen in den Frieden.

Ist die Menschheit nicht schon zu lange in den Krieg gezogen? 1618 in den Dreißigjährigen. 1914 in den ersten Weltkrieg. 1939 in den zweiten Weltkrieg mit seinen menschenverachtenden Begleiterscheinungen, darunter die systematische Vernichtung von 6 Millionen Juden, nicht zu vergessen die Sinti und Roma, Kommunisten und Sozialdemokraten, Behinderte und Homosexuelle. Und es leben immer noch Menschen unter uns, die dabei waren und diese Gräuel immer noch leugnen.

Trotzdem: die Sehnsucht nach Frieden gehört zur DNA der Menschheit. Und dazu gehört das Träumen. Das Träumen vom Frieden, make love not war hieß in den 60er Jahren, da träumte Martin-Luther-King vom Ende der Apartheid, also vom Ende des Krieges gegen der weißen gegen die schwarze Bevölkerung Amerikas. Wenn wir vom Frieden träumen – welche elementaren Wünsche werden da wach? Grundlegend vielleicht dieses: Den anderen in Frieden auf seine Weise leben, lieben und glauben lassen. Jeder Krieg beginnt mit Druck.

Udo Lindenberg singt: „Ich steh' vor euch mit meinen alten Träumen von Love und Peace und jeder Mensch ist frei. Wenn wir zusammen aufstehen könnte es wahr sein. Es ist soweit, ich frag, „bist du dabei?“ Wir ha'm doch nicht die Mauer eingerissen, damit die jetzt schon wieder neue bauen. Komm lass uns jetzt die Friedensflaggen hissen. Wir werden dem Krieg nicht länger tatenlos zuschauen. Komm wir ziehen in den Frieden. Wir sind mehr als du glaubst. Wir sind schlafende Riesen. Aber jetzt stehen wir auf. Lass sie ruhig sagen, dass wir Träumer sind. Am Ende werden wir gewinnen Wir lassen diese Welt nicht untergehen. Komm wir ziehen in den Frieden. Wir sind doch alle Blutsschwestern und Brüder. Wir sind 'ne große Menschenfamily. Wir brauchen keine machtgeilen Idioten mit ihrem Schmiergeld von der Waffenindustrie…Stell dir vor es ist Frieden und jeder geht hin.“

Das ist auch das Anliegen des Psalms 34. Dem Frieden nachjagen, heißt nämlich, keine Zeit und Energie für andere Dinge aufwenden. Der Psalm 34 nennt konkret: Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen. Die Verse 13-17 werden übrigens im ersten Petrusbrief zitiert als Richtschnur für ein glaubwürdiges Glaubensleben.

Wenn ein Mensch als friedlich bezeichnet wird, dann merkt man ihm ab, dass das, was er sagt mit dem übereinstimmt, was er glaubt und denkt. Ein Mensch des Friedens ist einer, bei dem es stimmt. Von ihm geht eine friedliche Stimmung aus. In seiner Nähe fühlen sich die Menschen angenommen.

Diese Menschen hat Jesus als glückliche Menschen bezeichnet, denn sie sind die wahren Kinder Gottes. Er selbst war Gottes Friede auf dieser Erde. Aber einer, der sich für die Gerechtigkeit Gottes einsetzt. Und damit ist er radikal. Er geht an die Wurzel des Übels. Denn Ungerechtigkeit schafft böses Blut. Heilung vom Übel beginnt an der Wurzel. Das ist zu bedenken, wenn wir von Jesus als Heiland der Welt sprechen.

Es wird also spannend in diesem Jahr. Wir werden uns einiges zu erzählen haben auf unserer Suche nach dem Frieden.

Ich schaue gerne mal in andere Übersetzungen hin. Eine ist die Volxbibel. Dort wird die Jahreslosung wie folgt übersetzt: „Hör auf, Mist zu bauen, fang an, auf Gutes zu schauen, mach das radikal in deinem Leben."

Dem ist nichts hinzufügen!

Ich wünsche uns allen ein Ereignis reiches Jahr 2019.

Ihr Pfarrer

Ewald Förschler


 

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