Herzlich Willkommen

 

Ewald Förschler

Ich glaube!
Hilf meinem Unglauben!

Jahreslosung 2020 aus Markus 9,24
ausgelegt von Pfarrer Ewald Förschler

 

Jesus ist der Therapeut (griech: therapeuein = heilen). Heilen ist ganz machen, also zusammenbringen, was zusammengehört. In der Geschichte, die um die Jahreslosung herum erzählt wird, geht es um heil-lose Beziehungen. Und darum, wie sie in Ordnung kommen.


1. Die Jünger und der Junge
Da ist was schiefgelaufen. Es kam ein Vater mit seinem Jungen zu den Jüngern Jesu. Er bat sie, seinen Jungen gesund zu machen. Er hat ihnen erzählt, was sein Sohn hat: einen sprachlosen Geist. Der reiße ihn zu Boden, dann habe der Junge Schaum vor dem Mund, knirsche mit den Zähnen und werde starr. Die Jünger haben´s versucht. Sie wollten ernsthaft den Jungen gesund machen. Aber sie sind gescheitert. Was für eine Enttäuschung! Vor allem für den Jungen. Die Krankheit blieb ihm. Er leidet unter ihr von Kind an. Also müsste er so 13 Jahre alt sein. Ein Teenager, der nicht leben kann wie die anderen Gleichaltrigen; der nicht weiß, wann der Geist ihn wieder niederwirft; er kann auf keine Party; auf keinen Ausflug; kein Mädchen will was mit ihm zu tun haben. Er ist ein Außenseiter. Und jetzt – nach dem missglückten Heilungsversuch der Jünger Jesu – ist er wieder nur der Kranke. Alle starren ihn an. Die Menge, die Schriftgelehrten, die Jünger. Er ist wütend auf sie! Er will mal anders im Mittelpunkt stehen. Als schöner junger Mann mit toller Figur und Frisur, attraktiv und adrett gekleidet, ein echter Hingucker. Das wäre er gerne mal. Aber jetzt wurde auch die letzte Heilungschance vertan. Er will nur noch wegrennen oder im Boden versinken. Die Blicke dieser Erwachsenen, die meinen, alles besser zu machen und zu können. Wie sind sie ihm leid mit ihrer Rechthaberei.

2. Die Jünger und die Schriftgelehrten
Letztere sind die Frommen. Und auch die Jünger sind fromm, nur halt ein bisschen anders. Hätten sie den Jungen geheilt, wäre den Schriftgelehrten der Mund offen gestanden und sie hätten klein beigegeben. Aber nach ihrem Scheitern, bekamen jene Aufwind. Dem wirkten die Jünger entgegen und so kam es zum Streit. Der Junge bekam das mit und wie bekannt kam ihm das alles vor. Er schämte sich für die Erwachsenen. Laut ging es zu. Wenn Männer streiten, kann es schon mal zu einem Handgemenge kommen. Denn jeder will Recht haben und Recht behalten. Denkbar, dass es um die Frage ging, wer eigentlich heilen darf und wann man das darf. Womöglich auch um die Frage: Ist Krankheit nicht eine Strafe Gottes? Wer weiß, wie der Streit ausgegangen wäre, wenn nicht Jesus dazwischen gegangen wäre.

3. Der Vater und der Junge
Jesus kam gerade vom Berg herab. Mit dabei die engsten Vertrauten Jakobus, Johannes und Petrus. Dort oben, dem Himmel näher, war alles gut. Jesu Kleider wurden schneeweiß. Und die Vertrauten sahen ihn so und wollten am liebsten bleiben, denn Jesus war das Licht selbst. Und jetzt, hier unten, war gar nichts gut und gar nichts hell. Hier unten im Staub der Erde war Streit, war Streitsucht, war Scheitern, war Krankheit – und die Hauptakteure waren fromm. Was für ein jämmerliches Bild seine Jünger abgaben. Wen wundert´s, dass Jesus wütend wurde: „Warum kann ich mich nicht auf euch verlassen? Und auf euer Frommsein braucht ihr euch nichts einbilden!“ Da rückte der Vater in den Mittelpunkt. Er war mit viel Hoffnung gekommen und wurde von den Jüngern Jesu bitter enttäuscht. Er hatte seinen Sohn dabei, der immer wieder mal epileptische Anfälle hat und deshalb kein normales Leben führen kann. Eine Vater-Sohn-Beziehung. Kann gut gehen, kann aber auch schieflaufen, genauso wie eine Vater-Tochter oder Mutter-Tochter oder Mutter-Sohn-Beziehung. Der Junge wurde von seinem Vater auf seine Krankheit reduziert. Der Vater nahm seinen Sohn eindimensional wahr. Schade eigentlich! Denn der Junge ist ja viel mehr als nur krank. Der Vater glaubte nicht an seinen Sohn, weder an ihn als Person noch an seine Fähigkeiten. So hatte der Junge nie erleben dürfen, was es heißt, vom Vater angenommen und geliebt zu sein, seine Gefühle zeigen zu dürfen und als angehender Mann seine Sexualität zu leben. Aufmerksam auf ihn wurde der Vater nur, wenn er sich auf den Boden warf, wenn er schäumte und sich tot stellte. Dann war er da für ihn! Aber auch nur dann!

Jesus ist der Therapeut des Vaters. Er erlebt den Jungen live in seiner Krankheit. Doch er wendet sich zuerst an den Vater. Wie lange hat er das schon? Von Kind an. Das heißt: die Krankheit war nicht vererbt, sie war erworben. Sie war die einzige Möglichkeit des Jungen, Zuwendung zu bekommen. Und jetzt will der Vater was von Jesus und sagt: Wenn du kannst! Das ist typisch für den Vater. Immer sollen die anderen was können. Aber was kann er? Er hat sich offenbar nie gefragt, was sein Anteil daran war, dass es seinem Sohn so geht oder wie er das ändern oder damit positiv umgehen könnte. Deshalb weist Jesus das Ansinnen des Vaters zurück und sagt zu ihm: „Es kommt auf dich an! Du kannst was! Glauben kannst du! An deinen Sohn glauben kannst du! Ihm Vertrauen schenken, das kannst du! Das kann ich nicht! Er ist nicht mein Sohn!“ Da fällt es dem Vater wie Schuppen von den Augen. Er schreit Jesus verzweifelt an: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“ Das sind zwei Sachen. Zum einen will der Vater fortan an seinen Sohn glauben und in ihm mehr sehen als nur ein krankes Kind. Zum zweiten bekennt er seine Schuld ein. Ich habe nicht an meinen Sohn geglaubt und ich weiß, dass ich jederzeit in der Gefahr stehe, wieder in das alte Denken zurückzufallen. Deshalb bittet er Jesus, diese Wunde zu heilen.

Jesus ist der Therapeut des Jungen. Er treibt den Geist aus, der den Jungen jahrelang besessen hat. Der Geist, der klein macht und ihn auf den Boden wirft; der Geist, der ihn vor Wut schäumen lässt; der Geist, der anderen Angst macht, weil er sich tot stellt. Durch Jesu Machtwort schleicht er sich. Jesus kann das machen, weil er das Wort des Vaters hat. Er wird seinem Sohn vertrauen. Und Jesus macht dem Vater vor, wie er es künftig mit seinem Sohn machen kann: er nimmt ihn an der Hand und stellt ihn auf eigene Füße. Jesus hat diese Vater-Sohn-Beziehung geheilt. Jetzt können die zwei eine spannende und hoffentlich aufregende Zeit miteinander erleben.

 

Ich wünsche uns allen ein Ereignisreiches Jahr 2020.

Ihr Pfarrer

Ewald Förschler


 

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